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Google schließt historische $32-Milliarden-Übernahme von Wiz ab – größter Deal der Unternehmensgeschichte

Clara
4 min read
Google schließt historische $32-Milliarden-Übernahme von Wiz ab – größter Deal der Unternehmensgeschichte

Mountain View, 11. März 2026 – Google hat gestern den Abschluss seiner Übernahme des israelischen Cloud-Security-Startups Wiz für 32 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Der All-Cash-Deal markiert nicht nur die größte Akquisition in der Geschichte des Tech-Giganten, sondern auch einen der bedeutendsten M&A-Deals im Cybersecurity-Sektor überhaupt. Nach einjähriger Prüfung durch US-amerikanische und europäische Kartellbehörden wird Wiz nun Teil von Google Cloud – behält aber seine eigenständige Marke und Multicloud-Strategie.

Von $23 Milliarden zu $32 Milliarden: Eine Deal-Odyssee

Der Weg zur Übernahme war alles andere als geradlinig. Im Juli 2024 bot Google dem damals vierjährigen Startup erstmals 23 Milliarden Dollar – ein Angebot, das Wiz-CEO Assaf Rappaport überraschend ablehnte. "Nein zu sagen zu solch demütigen Angeboten ist hart", schrieb Rappaport damals in einem internen Memo. Doch der gebürtige Israeli hatte eine klare Vision: Wiz könnte deutlich größer werden.

Die Rechnung ging auf. Als Google im März 2025 erneut anklopfte, lag das neue Angebot bei 32 Milliarden Dollar – ein Aufschlag von 39 Prozent. Die Verhandlungen fanden diesmal in einem deutlich günstigeren regulatorischen Umfeld statt: Das US-Justizministerium erteilte im November 2025 grünes Licht, die EU-Kommission folgte im Februar 2026 mit einer bedingungslosen Freigabe.

Raketenwachstum: Von null auf eine Milliarde ARR in fünf Jahren

Wiz' rasanter Aufstieg ist beispiellos. Das 2020 gegründete Unternehmen erreichte bereits 18 Monate nach Launch 100 Millionen Dollar Annual Recurring Revenue (ARR) – schneller als jedes andere Software-Unternehmen zuvor. Bis Februar 2024 stieg der ARR auf 350 Millionen Dollar, Mitte 2024 auf 500 Millionen Dollar. Laut informierten Kreisen überschritt Wiz 2025 die Milliarden-Dollar-Marke beim ARR – eine Performance, die die Premium-Bewertung rechtfertigt.

Die Investorenliste liest sich wie ein Who's Who des Silicon Valley: Sequoia Capital, Index Ventures, Andreessen Horowitz, Lightspeed Venture Partners und Thrive Capital pumpten insgesamt 1,9 Milliarden Dollar in das Unternehmen. Die letzte Finanzierungsrunde im Mai 2024 – ein Mega-Deal über eine Milliarde Dollar – bewertete Wiz mit 12 Milliarden Dollar. Google zahlt nun den 2,7-fachen Aufschlag auf diese Bewertung.

Strategische Ratio: Multicloud-Security für die AI-Ära

"Wir wollen Sicherheit zu einem Katalysator für Innovation machen, nicht zu einer Barriere", erklärt Thomas Kurian, CEO von Google Cloud. Die Akquisition zielt auf ein drückendes Problem: Immer mehr Unternehmen und Behörden betreiben Workloads über mehrere Cloud-Plattformen hinweg – AWS, Microsoft Azure, Oracle Cloud und Google Cloud. Klassische Security-Lösungen, die nur eine Plattform abdecken, greifen zu kurz.

Wiz bietet eine agentenlose Plattform, die alle großen Cloud-Umgebungen schützt – von Code und Infrastruktur bis zu Runtime-Umgebungen. Die Technologie nutzt KI-gestützte Bedrohungserkennung und kann Sicherheitsvorfälle präventiv verhindern oder schnell eindämmen. Genau diese Expertise fehlt Google, dessen Cloud-Geschäft mit einem Marktanteil von rund 11 Prozent (laut Synergy Research Group) deutlich hinter AWS (31 Prozent) und Azure (25 Prozent) zurückliegt.

Kurian betont den AI-Kontext: "Im heutigen KI-Zeitalter migrieren mehr Unternehmen ihre wichtigsten Daten und Systeme in die Cloud. Gleichzeitig nutzen Angreifer KI, um mit größerer Geschwindigkeit und Raffinesse zu operieren." Wiz soll Google Cloud eine "unified security platform" verschaffen, die Multicloud-Umgebungen im AI-Zeitalter vereinfacht absichert.

Wettbewerbsdynamik: Cloud-Riesen im Security-Wettrüsten

Die Übernahme ist Teil eines breiteren Trends. Alle großen Cloud-Anbieter rüsten massiv im Security-Bereich auf – teils durch Akquisitionen, teils organisch:

  • Microsoft kaufte 2022 RiskIQ für rund 500 Millionen Dollar und integrierte 2021 ReFirm Labs (Summe nicht bekannt). Der Konzern aus Redmond setzt zudem stark auf die Integration von Security-Features in Azure und Microsoft 365.
  • Amazon Web Services entwickelt seine Security-Tools vorwiegend intern, akquirierte aber 2023 das Threat-Detection-Startup Wickr für geschätzte 200 Millionen Dollar.
  • Palo Alto Networks – der pure-play Cybersecurity-Leader – zahlte 2024 rund 5,5 Milliarden Dollar für die Cloud-Security-Plattform Dig Security und akquirierte zuvor bereits Bridgecrew und Cider Security.

Googles 32-Milliarden-Wette auf Wiz übertrifft all diese Deals bei weitem und unterstreicht die strategische Bedeutung von Cloud-Security. Analysten erwarten, dass der globale Cloud Security Markt bis 2030 auf über 70 Milliarden Dollar anwachsen wird (CAGR: 14,3 Prozent laut MarketsandMarkets).

Was bedeutet das für Wiz-Kunden?

Google betont, dass Wiz weiterhin als eigenständige Marke operieren und Kunden über alle Cloud-Plattformen hinweg bedienen wird. "Unsere Produkte bleiben für AWS, Azure, Oracle Cloud und Google Cloud verfügbar", versichert das Unternehmen. Diese Zusage war entscheidend, um Kartellbehörden zu überzeugen: Wiz bleibt multicloud-neutral, Google erhält keinen exklusiven Wettbewerbsvorteil.

Für Wiz-Partner und Kunden bedeutet die Google-Integration potenziell Zugang zu Ressourcen, die ein Startup nie hätte mobilisieren können: Googles globale Infrastruktur, KI-Forschung (DeepMind, Google Brain) und Threat-Intelligence-Daten aus Milliarden Endgeräten (Android, Chrome). Die Herausforderung: Wiz' agile Startup-Kultur in einem 180.000-Mitarbeiter-Konzern zu bewahren.

Marktreaktion und Ausblick

Der Deal wurde an den Märkten positiv aufgenommen. Alphabet-Aktien (Googles Mutterkonzern) legten nach Bekanntgabe des Closings um 1,3 Prozent zu. Analysten werten die Übernahme als "strategisch zwingend" (Wedbush Securities) und "überfällig" (Jefferies). Google Cloud ist zwar profitabel (Operating Income Q4 2025: 2,4 Milliarden Dollar), wächst aber langsamer als AWS und Azure. Wiz könnte die Lücke schließen helfen.

Für die Cybersecurity-Branche sendet der Deal ein klares Signal: Multicloud-Security ist die Zukunft – und Big Tech ist bereit, dafür Premiumpreise zu zahlen. Startups wie Orca Security (zuletzt mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet), Aqua Security und Lacework dürften nun verstärkt ins Visier strategischer Käufer rücken.

Fazit: Ein Wendepunkt für Google Cloud und den Cybersecurity-Markt

Die 32-Milliarden-Übernahme von Wiz ist mehr als ein M&A-Deal – sie ist Googles Ansage, im Cloud-Wettbewerb künftig auch beim Thema Security mitzuspielen. Für Wiz ist es die Krönung eines fünfjährigen Sprints vom Stealth-Startup zum wertvollsten privaten Cybersecurity-Unternehmen der Welt.

Ob die Integration gelingt und Wiz' Wachstumskurs unter Googles Dach fortsetzt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Sicher ist: Der Deal setzt neue Maßstäbe für Bewertungen im Cybersecurity-Sektor und dürfte eine Konsolidierungswelle auslösen. Die Ära der Multicloud-Security hat gerade erst begonnen – und Google will ganz vorne dabei sein.


Über Wiz: Wiz wurde 2020 von Assaf Rappaport, Ami Luttwak, Yinon Costica und Roy Reznik in Tel Aviv gegründet. Alle vier waren zuvor bei Microsoft und leiteten dort Cloud-Security-Teams. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 1.200 Mitarbeiter und hat Büros in den USA, Europa und Israel.

Über Google Cloud: Die Cloud-Sparte von Alphabet Inc. erzielte 2025 einen Umsatz von 44,9 Milliarden Dollar (Wachstum: 28 Prozent YoY) und ist seit 2023 profitabel. Zu den Hauptkonkurrenten zählen Amazon Web Services und Microsoft Azure.

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