Während auf der RSA Conference in San Francisco die etablierten Cybersecurity-Anbieter ihre neuesten KI-gestützten Lösungen präsentierten, machte ein israelisches Startup mit einer bemerkenswerten Ankündigung von sich reden: Native verließ den Stealth-Modus und verkündete eine $42-Millionen-Finanzierung — angeführt von Ballistic Ventures, mit Beteiligung von General Catalyst, YL Ventures und Merlin Ventures.
Der eigentliche Coup: Phil Venables, ehemaliger Chief Information Security Officer von Google Cloud und eine der profiliertesten Stimmen der Branche, tritt dem Board of Directors bei.
Das Problem: Multi-Cloud-Chaos trifft auf KI-Beschleunigung
Native adressiert ein Problem, das mit der explosionsartigen Verbreitung von Cloud-Workloads und KI-Agenten dramatisch an Brisanz gewonnen hat: konsistente Security-Policy-Enforcement über heterogene Multi-Cloud-Umgebungen hinweg.
Unternehmen operieren heute typischerweise mit Workloads auf AWS, Azure, Google Cloud — oft gleichzeitig. Dazu kommen Container-Plattformen, Kubernetes-Cluster und zunehmend agentic AI-Systeme, die autonom über Cloud-Ressourcen verfügen. Die Herausforderung: Sicherstellen, dass überall dieselben Sicherheitsrichtlinien gelten — ohne dass jedes Team für jede Cloud-Plattform eigene Policies schreibt und wartet.
"Mit einer Chatbot ist der Worst Case eine falsche Antwort", sagte Jeetu Patel, President und Chief Product Officer von Cisco, in seiner Keynote auf der RSA Conference. "Mit einem Agenten ist der Worst Case eine falsche Aktion — und manche Aktionen lassen sich nicht rückgängig machen."
Venables' Glaubwürdigkeit als Signal
Phil Venables ist keine gewöhnliche Board-Besetzung. Als CISO von Google Cloud war er verantwortlich für die Sicherheitsarchitektur einer der größten Cloud-Infrastrukturen der Welt. Sein Wechsel zu Ballistic Ventures als Venture Partner — und seine Entscheidung, bei Native einzusteigen — ist ein starkes Signal an den Markt: Das Problem ist real, und Native könnte Teil der Lösung sein.
Ballistic Ventures hat sich in den letzten Jahren als präziser Investor in frühe Cybersecurity-Deals positioniert. Die Kombination aus Venables' operativer Expertise und Ballistics strategischem Fokus gibt Native Zugang zu den CISOs und Security-Architekten der Fortune 500 — genau der Zielgruppe, die diese Art von Lösung dringend benötigt.
Timing: Agentic AI als Beschleuniger
Die Ankündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem agentic AI von einem Buzzword zur operativen Realität wird. Laut einer Cisco-Umfrage haben 85% der großen Unternehmen AI-Agent-Pilotprojekte am Laufen. Aber nur 5% haben diese Agenten in Produktion gebracht.
Die Lücke von 80 Prozentpunkten? Das ist kein Mangel an Vertrauen in die Technologie. Es ist fehlende Sicherheit, dass diese Agenten kontrolliert agieren können.
"Unternehmen sehen, was Agenten leisten können", schrieb Patel in einem Blogpost. "Sie sind sich nur nicht sicher, ob sie ihnen vertrauen können, dies sicher zu tun."
Native verspricht genau das: Eine Plattform, die Security-Policies zentral definiert, über alle Clouds hinweg durchsetzt und Agenten in diese Governance einbindet — bevor sie Schaden anrichten.
Der breitere Kontext: VC-Flut in AI-Security
Native ist nicht allein. Auf und rund um die RSA Conference gab es eine regelrechte Finanzierungswelle für Security-Startups mit Fokus auf KI und Agenten:
- Surf AI raised $57M (Accel, Cyberstarts, Boldstart) für agentic Security Operations
- Above Security emerged from stealth mit $50M (Ballistic, Merlin, Norwest) für Insider Threat Management
- Eclypsium raised zusätzliche $25M (PEAK6) für Hardware & AI Infrastructure Protection
- Cloaked sammelte gigantische $375M (Series B) für Enterprise Privacy
Das Muster ist klar: AI Security ist die heißeste Kategorie im Cybersecurity-VC-Markt. Die Summen sind substanziell, die Bewertungen steigen, und die Investoren bewegen sich mit Geschwindigkeit.
Gleichzeitig stehen etablierte Player wie Palo Alto Networks und CrowdStrike unter Druck. Beide Aktien verloren im Wochenverlauf nach Gerüchten, dass Anthropic neue autonome Threat-Detection-Features für sein Claude-Modell launcht — ein Hinweis darauf, wie schnell AI-native Lösungen traditionelle Security-Tools kannibalisieren könnten.
Investment-Perspektive: Was Native beweisen muss
Für Investoren ist Native interessant, aber noch nicht bewiesen. Die Fragen:
- Technische Differenzierung: Wie löst Native das Multi-Cloud-Policy-Problem besser als bestehende CSPM-Anbieter (Wiz, Orca, Prisma Cloud)?
- Go-to-Market: Kann Native mit Venables' Netzwerk schnell Referenzkunden gewinnen?
- Timing: Ist der Markt bereit, für eine weitere Security-Plattform zu zahlen — oder konsolidiert er zu bestehenden Anbietern?
Die $42M geben Native Runway, um diese Fragen zu beantworten. In einem Markt, der laut GlobalNewswire auf $244 Milliarden bis 2030 wachsen soll, ist Platz für neue Player — aber nur für die, die echte Probleme lösen, nicht für Feature-Releases mit Marketing-Budget.
Fazit: Multi-Cloud-Governance wird zur Pflicht
Native betritt den Markt zu einem Zeitpunkt, an dem Multi-Cloud-Sicherheit von einem "nice to have" zu einem regulatorischen und operativen Muss wird. Mit AI-Agenten, die bald autonom über Cloud-Ressourcen verfügen, steigt das Risiko exponentiell.
Phil Venables' Involvement ist ein starker Vertrauensbeweis. Ballistic Ventures' Lead-Investment zeigt, dass der Markt bereit ist, für diese Kategorie zu zahlen. Jetzt muss Native liefern — mit einem Produkt, das komplexer ist als die meisten und in einer Zeit, in der CISOs unter enormem Druck stehen, schnell zu handeln.
Für Investoren ein Beobachtungskandidat. Für CISOs mit Multi-Cloud-Albträumen: ein potenzieller Rettungsanker.
Quellen:
- SecurityWeek: "Cloud Security Startup Native Exits Stealth With $42 Million in Funding"
- Forbes/R. Scott Raynovich: "AI: The Cybersecurity Crisis That Vendors Love" (RSAC 2026)
- Cisco Newsroom: Jeetu Patel Keynote Insights
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